Dîner ein blanc New York – 2019

Es war wieder so weit. Das einmalige Picknick in weiß hat stattgefunden. Diesmal mit einer mächtigen Dusche, Blitz und Donner, schreienden Leuten in schicker Kleidung, hektisch zusammenräumenden Menschen und einer spontanen Parkhausparty. Egal. Wichtiger ist, dass wir 2 Wochen planen und uns freuen konnten wie als Kind zu Weihnachten. Und immerhin bis zur Vorspeise kamen.

Vorfreude ist die beste Freude

Was ist das Besondere an „Dîner en blanc“ ?. Man schleppt eine komplette Tischgarnitur samt Essen durch die Stadt, fährt eventuell noch Subway und das auch noch zur Rushhour und mit vielen anderen Bepackten, zahlt Geld für Tickets und hat keine Ahnung wo die Reise hingeht. Warum nicht einfach essen gehen? Zum Stammitaliener, da weiß man was man hat? Der Grund ist, dass gerade dieses Unerwartete mit Strapazen verbundene Event so charmant ist und in meinen Augen jeden Restaurantbesuch übertrifft. Ich gebe zu, man braucht eine gewisse Spontanität, Liebe zur Unsicherheit, Offenheit und sowas wie „egal was kommt, es wird einfach gut“ Haltung.

Und das war 2019

So, heute, das ist Mitte Juli, ist es soweit. Alles vorbereitet. Ein Glück noch vieles vom Vorjahr gehabt (letztes Jahr war es in Governors Island). Ich mache mich auf nach Midtown zur Rushhour, diesmal sicherheitshalber mit dem Auto. Der Treffpunkt, den wir gewählt haben, ist diesmal der Washington Square, kleiner Fußweg von 15 Minuten. Das sagt sich leicht, habe ich doch fast einen halben Hausstand auf meinem unkaputtbaren Trolley. Es füllt sich am Treffpunkt. Viele neue Gesichter, man kommt schnell ins Gespräch. Auch meine Freunde treffen ein. Alle da? Der „Groupleader“ pfeift zum Anmarsch. Wie sollte es anders sein? Subway. Mit dem Krempel eine Etage runter aufs Gleis. An der „Chambers Street“ steigen wir aus. Und mit dem ganzen Krempel wieder eine Etage hoch auf die Strasse. Kaum oben angekommen sieht man alle anderen Gruppen aus allen Richtungen kommen. Wir laufen Richtung Süden. Alle spekulieren wild: Governeors Island? War doch erst letztes Jahr? Battery Park? Wir laufen quasi wie bei nem Klassenausflug. Rote Ampeln schaffen es, Gruppen zu trennen und Kleingruppen entstehen zu lassen. Eben, wie bei ner Klassenfahrt.

Wir nähern uns weiter Richtung Wasser. Und jeahhhh! Wir sind da: An meinem geliebten Hudson River im Rockefeller Park.

Tolle Aufmachung. Viele haben schon aufgebaut, einige sind noch dabei. Es wird klassische Musik gespielt. Das Ambiente ist edel, wenn man mal über ein paar TRolleys hinwegsieht.

Also, los geht’s ans Aufbauen. Wir fangen mit der Vorspeise an!! Akribisch packen wir alles aus, was wir mitgebracht haben und richten es dekorativ an. Wir haben ne Blumenvase dabei, Blumen, Kerzen und Tischdeko. Sogar der Eifelturm darf nicht fehlen als Symbol für die Muttter des Dîner en blanc in Paris.

Auch andere lassen sich nicht lumpen. Das macht am meisten Spaß: Mal kurz ne Runde drehen und schauen, was die Anderen so essen. Das Dinner beginnt offiziell mit dem Winken der Stoffserviette. Gekrönt wird die Stimmung noch durch einen wunderschönen Opernsänger, der auftritt.

Wir entspannen uns also nach den Strapazen bei unserer Vorspeise, als der erste Tropfen vom Himmel kommt. Kein Problem. Wir sind ja ausgerüstet. So zücken wir unseren transparenten Schirm und schnattern weiter.

Auf einmal: Wush! Donner, Blitz, Unwetter. So richtig aus vollen Kübeln. Hm, ob das vorbei geht? Egal, wir packen ein. Flott, denn jetzt weht der Wind noch alles weg. Jetzt wird’s richtig lustig. Einige verlassen auf der Stelle ihren ganzen Kram samt Tischen und Stühlen. Jetzt wird gerannt. Und zwar in die nächste Parkgarage. Wie hundert andere neben uns auch. Eigentlich macht es auch nichts. Ich weiss, dass es viele Stimmen gab, die enttäuscht über den Abend und die Veranstalter waren. Sie hatten mit einer Absage gerechnet und einem Alternativtermin. Nur: Wie soll das gehen in NYC? Es ist quasi unmöglich eine Veranstaltung mit 6000 Menschen mal eben so eine Woche später stattfinden zu lassen.

Von daher: Der Abend war genial. Bin schon gespannt, wo es nächstes Jahr hingeht.

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